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Das Buch

Buch

Das Buch der Sanggaller Fasnacht

Geschichte - Ehren-Föbü - Schnitzelbänkler - Guggenmusigen...

ein Muss für jeden Fasnachtsfreund. Erhältlich solange Vorrat für Fr. 20.--
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Kostüm Jäger
St.Georgenstrasse 3
9000 St.Gallen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Satzungen pin

Ad maiorem Föbü gloriam
(Ausgabe 2012)

In Anbetracht der Tatsache, dass in St.Gallen die Spezies der Födlebürgerinnen und Födlebürger besonders zahlreich vertreten ist, und unter Berücksichtigung der Auflagen von Heimat-, Stadt- und Umweltschutz beschliessen die fünf existierenden aktiven St.Galler Fasnächtler im Jahre des Herrn 1974 nach Christi Geburt:

Organisation

§ 1       Aus dem grossen Kreis der st.gallischen Födlebürgerinnen und Födlebürger wird alljährlich am Fasnachts-Samstag eine Person, die in letzter Zeit äusserst untypisch aufgefallen ist, indem sie mindestens einmal Födle gezeigt hat, zum Ehren-Födlebürger (Ehren-Föbü) der Stadt St.Gallen ernannt. „Ehren-Föbü“ gilt als Bezeichnung für Erwählte jeglichen Geschlechts.

§ 2       Es wird vorausgesetzt, dass im Normalfall die Auszuzeichnenden in der Stadt und den umgrenzenden Landen von allgemeiner Bekanntheit und mit einer gehörigen Dosis gesunden Humors gesegnet sind. Ausserdem dürfen sie nur in geringem Masse der Profilierungssucht unterworfen sein. Auch müssen sie über den Unzulänglichkeiten des täglichen Lebens stehen - kurz: sie brauchen Födle, Herz und Humor. Höhe und Wahrheitsgehalt ihrer Steuererklärung sowie das Steuerdomizil bleiben unwirksam. Auch das Attribut der Beliebtheit muss nicht erfüllt sein: Wer wirklich Födle zeigt, ist in St.Gallen kaum beliebt.

§ 3       Ausserdem sollen Kandidatinnen und Kandidaten im aktiven Leben stehen und in unserer Stadt zu weiteren Schandtaten fähig sein. Allfällige in Frage kommende Pensionisten werden notfalls mit einer Flasche Ehrenwein vertröstet und unwiderruflich abgehakt.

§ 4       Die Ernennung ist lebenslänglich und kann nicht rückgängig gemacht werden. Ein Gesuch um Reduktion des Jahrsbeitrages für AHV-Rentner im fortgeschrittenen Greisenalter ist an den Rat der Weisen zu richten.

§ 5       Die Horde der Ehren-Föbü wird geleitet vom Rat der Weisen. Diesem gehören von Amtes wegen an der Kanzler, der Säckelmeister sowie der Archivar - im weitern der Chronist und der Rechtsgelehrte. Die Amtszeit ist auf
33 Jahre beschränkt. Allfällige weitere Weise unter den Ehren-Föbü können je nach Fähigkeiten ebenfalls zu den Sitzungen beigezogen werden.

Martini-Möhli

§ 6       Die Ehren-Föbü treffen sich jeweils zu Martini am 11.11. um 17.17 Uhr zum ersten Palaver über allfällige neue Ehren-Föbü-Nominationen. Alle Ehren-Föbü haben das Recht und die Pflicht, in Frage kommende Personen zu nennen und deren Eignung (Födle, Herz und Humor) zu begründen. Sämtliche Nennungen werden in eine wenig verbindliche „Nominiertenliste“ aufgenommen. Aktive Fasnächtler sind in der Regel nicht zu berücksichtigen.

§ 7       Anschliessend, um 19.19 Uhr, treffen sich die Ehren-Föbü zum Martinimahl. Sie sollen sich dabei ausgiebig mit Bratwurst samt Bürli verpflegen und mit edlem st.gallischem Wein stärken.

Wahl des Ehren-Föbü

§ 8       Bis zur definitiven Wahlveranstaltung können weitere Zusammenkünfte stattfinden. Allfällige dadurch gefundene weitere Kandidaten werden der Nominiertenliste beigefügt.

Jeweils im Dezember wird eine verbindliche „Sechserlisten-Wahlsitzung“ einberufen. Dies ist die letzte Gelegenheit, neue Namen auf die Nominiertenliste zu setzen. Aus dieser Liste werden bei offenem Wahlverfahren die Kandidaten ermittelt, die am meisten Stimmen auf sich vereinigen. Jeder anwesende Ehren-Föbü kann dabei beliebig vielen Kandidaten seine Stimme geben. Falls mehrere Nominierte gleich viele Stimmen auf sich vereinigen und dabei das Quorum von 6 übertroffen wird, sind weitere Wahlgänge möglich. Dabei hat jeder anwesende Ehren-Föbü nur noch eine Stimme pro Wahlgang.

§ 9       An der definitiven Wahlveranstaltung, in der Regel spätestens sechs Wochen vor der Fasnacht, werden die Personen auf der Sechserliste nochmals auf ihre Eignung hin geprüft. Im Notfall können weitere Nominationen von in der Zwischenzeit Födle-gezeigthabenden vorgebracht werden und, sofern dafür ein Beschluss mit Dreiviertel-mehrheit vorliegt, der Sechserliste zugefügt werden. Aus dieser Liste wird noch in der selben Nacht, wiederum bei offenem Wahlverfahren, die „Dreierliste“ erstellt und die Reihenfolge der zu Berufenden festgelegt. Dazu verfügt jeder anwesende Ehren-Föbü über drei Stimmen. Falls mehrere Nominierte gleich viele Stimmen auf sich vereinigen und dabei das Quorum von drei Nominierten übertroffen wird, sind weitere Wahlgänge möglich. Dabei hat jeder Ehren-Föbü nur noch eine Stimme.

§ 10      Zur definitiven Wahlveranstaltung werden je ein Vertreter des Fasnachtsgesellschaft, der Guggenmusigen und der Schnitzelbänggler als gleichberechtigte Partner mit Stimmrecht eingeladen. Sie haben das Recht, weitere Nominationen zur Sechserliste einzubringen, diese unterliegen jedoch dem Procedere nach §9 (Dreiviertelmehrheit). Kandidaten, die schon beim Erstellen der Sechserliste ausgeschieden sind, werden nicht mehr nominiert.

Der Kanonenvater nimmt mit beratender Stimme an der Wahlsitzung teil.

§ 11      Der Alters-Ehren-Föbü bestätigt mit dem Ruf „Habemus Föbü“ die Rechtmässigkeit und den Abschluss der Wahl. Das Ergebnis bleibt geheim.

§ 12      Lehnt eine rechtmässig gewählte Person die Berufung ab, wird dies als Mangel von Födle gewertet, was wiederum heisst, dass die Person auf Lebzeiten von der Liste gestrichen wird. Vorbehalten bleiben Einflüsse höherer Macht.

Verschuss

§ 13      Da der Födlebürger-Virus als eklatant resistent eingestuft werden muss, wird durch ein traditionelles, bewährtes Ritual sichergestellt, dass auch der letzte Virus-Rest im zukünftigen Ehren-Föbü vernichtet wird. Er wird zu diesem Zweck mit einem Konfetti-Schuss oder auch mehreren Schüssen Konfetti in den Födlebürgerhimmel befördert, von wo er geläutert und geheilt als neues Wesen in die Stadt zurückkommt. Der ihm verliehene Heiligenschein oder allfällige Flügel sollen dabei, um Neid und Missgunst vorzubeugen, nicht sichtbar werden.

§ 14      Der Aufzug zum Richtplatz geschieht in angemessener Bekleidung und mit entsprechendem Transportmittel in Begleitung von möglichst vielen Guggenmusigen, die dem neuen Ehren-Föbü das letzte Geleit geben. Die amtierenden Ehren-Föbü treten in schwarz/weiss/roter Bekleidung und mit Zylinder und Orden an.

§ 15      Das Prozedere wird, falls nicht höhere Macht dies verhindert, auf dem Blumenmarkt durchgeführt. Zu diesem Zweck wird mit der traditionellen Föbü-Kanone eine entsprechende Schussvorrichtung bereitgestellt. Für die Laudatio und den Verschuss sind die bisherigen Ehren-Föbü zuständig. Die Guggenmusigen sorgen mit musikalischen Einlagen für die angemessene Hebung des kulturellen Niveaus des Festaktes.

§ 16      Nach der Zeremonie wird dem neuen Ehren-Föbü der Ehren-Föbü-Orden überreicht, auch wird er nach Wunsch von den männlichen und/oder weiblichen Ehren-Föbü mit einem Kuss in den erlauchten Kreis aufgenommen.

§ 17      Anschliessend an den Festakt treffen sich die Ehren-Föbü zum traditionellen Liichemöhli in einem für Guggenmusigen zugänglichen Lokal. Während des Mahles machen Schnitzelbänkler und Guggenmusigen dem neuen Ehren-Föbü ihre Aufwartung.

Die Föbü-Kanone

§ 18      Die Föbü-Kanone wurde seinerzeit kreiert und in Fronarbeit gebastelt von Max Oertli † und René Engeler. Sie ist Eigentum der Vereinigung der Ehren-Föbü. Die Ehren-Föbü übergeben die Kanone für jeweils eine bestimmte Dauer (in der Regel für 5 Jahre) dem Kanonenvater zu getreuen Händen.

Der Kanonenvater

§ 19      Zur Sicherung des Weiterbestandes der Föbü-Kanone besteht das Ehrenamt "Kanonenvater". Dieses Amt wird seit 1973 und bis auf weiteres von René Engeler ausgeübt. Aufgrund seiner Verdienste wurde René Engeler an der Hauptversammlung 2010 zum Ehren-Kanonenvater ernannt. Damit hat er privilegierten Zugang zum Kreis der Ehren-Föbü. Er nimmt mit beratender Stimme an der letzten Wahlsitzung sowie an sämtlichen Sitzungen des Verschusskomitees teil.

§ 20      Der Kanonenvater bestimmt mit seinem Stellvertreter allein über allfällige Instandstellungen, Änderungen und Ergänzungen der Kanone, sofern die Kosten dafür im Budget enthalten sind und keine weiteren Kosten dadurch entstehen. Er ist dafür verantwortlich, dass die Kanone am Verschusstag funktionstüchtig bereit steht. Zur Sichersterllung eines reibungslosen Verschusses arbeitet er eng zusammen mit dem Verschusskomitee. Für allfällige Materialien zum Unterhalt der Kanone und für den Verschuss steht dem Kanonenvater ein jährliches Budget von Fr. 3‘000.00 zur Verfügung. Fallen weitere Kosten an, hat er vorgängig ein Budget einzureichen, welches vom Rat der Weisen abzusegnen ist.

§ 21      Die Ernennung gilt lebenslänglich. Sollte der Kanonenvater trotzdem einmal demissionieren, steht ihm das erste Vorschlagsrecht für einen würdigen Nachfolger zu. Ein solcher wird vom Rat der Weisen gewählt.

Weitere Zusammenkünfte

§ 22      Die Ehren-Föbü haben das Recht und die Pflicht, sich auch ausserhalb der Fasnacht zu treffen. Geselligkeit soll dabei im Vordergrund stehen. Falls die Geselligkeit nicht ausreicht, darf auch Gutes getan werden. Jede auch nur entfernte Parallele zum wahren Födlebürgertum ist dabei strikte zu vermeiden.

Gegeben zu St.Gallen im Jahre 1974, unter Berücksichtigung mündlicher Überlieferungen. Neu in Schriftform angefertigt und einstimmig genehmigt am Mittwoch, 30. November 1994, 18.59 Uhr, in den Gaststuben zum Schlössli am Spisertor in St.Gallen und nochmals überarbeitet und endgültig einstimmig genehmigt am Samstag,
11. November 1995 um 18.18 Uhr, am gleichen Ort, aber einen Stock tiefer. Die vierte Fassung stammt aus dem Jahre des Herrn 2010. Und die fünfte von 2012. Die sechste folgt.